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Komplexe Bilderwelten
VON RUDOLF BARNHOLT
Rheinische Post | 14.10.2011

Der Künstler Karl von der Heiden stellt zurzeit seine Werke in der Geschäftsstelle der Kaarster Grünen aus. Den Betrachtern seiner Gemälde und Collagen macht er es dabei zugleich leicht und schwer.

Kaarst. Für ihn ist das Leben ein Chaos. Karl von der Heiden versucht, es auf der Leinwand zu ordnen. Dabei packt er Themen an wie Atomkraft. Kein Wunder, dass eine Auswahl seiner Arbeiten jetzt in der Geschäftsstelle der Kaarster Grünen zu sehen ist.

Karl von der Heiden, vor 70 Jahren in Krefeld geboren, absolvierte zunächst in Kempen eine Lithographen-Ausbildung, bevor er in der Seidenstadt die Werkkunstschule besuchte. Der Künstler lebte von 1972 bis 2003 in Kaarst, zog dann nach Düsseldorf-Niederkassel.

Dem Betrachter setzt er mit seinen Bildern zum Teil "schwere Kost" vor. Das geht schon im Eingangsbereich los, wo die zweifellos spektakulärste Arbeit hängt: Ein Triptychon, das zusammenklappbar ist und das der Künstler "Der große Tempel" nennt. Hier hat er sich, wie es für ihn typisch ist, ausgetobt, und zwar nicht nur mit Pinsel und Farbe. Die Kraft der alten Mythen - er bedauert, dass sie verloren gegangen ist und lässt sie wieder neu entstehen.

Aus Kunstharzen formte er nicht eben appetitanregende Innereien. Oder sind es Genitalien? Er lässt den Elch, der es in dieser Welt nicht mehr aushält, sterben, und eine Toilette lässt erahnen, was Karl von der Heiden von der Welt im Herbst 2011 hält.

Dem Betrachter seiner Bilder und Collagen macht er es leicht und schwer zugleich: Er malt gegenständlich, andererseits sind die Arbeiten angereichert mit sehr viel Symbolik, die gedeutet werden muss. Und die überbordende Phantasie des Künstlers lässt mitunter den Betrachter etwas hilflos zurück.

Was ist das alles in diesen höchst komplexen Bilderwelten? Vieles wirkt apokalyptisch, auch wenn nicht alles zu entziffern ist, so scheint doch zumindest eines klar: Die Katastrophe scheint unmittelbar bevor zu stehen. Da hängen Menschen an Schläuchen, da sind Menschenkörper zu sehen, genauer gesagt Körper-Knäuel. Von der Heiden meint damit das pralle Leben, also etwas Positives. Auf dem Bild "Alternative Energien" finden Reaktionen statt, die nicht begreifbar sind. Der Künstler gibt hier keine Antworten, seine Bilder versteht er als Spurensuche und Bestandsaufnahme, sich selbst sieht er nicht als Künstler, sondern als Täter.

Vor sieben Jahren hatte von der Heiden die "Kulturwoche" im Wohnpark Broicherdorf in Kaarst eröffnet und schon für viel Gesprächsstoff gesorgt.